Durch die Küche schweben? Das hört sich sehr abenteuerlich an!

Wegen einer schweren Beinverletzung hieß es für den Gastronomen Peter Lammer: Traumberuf aufgeben und eine Umschulung!
Doch da hat man die Rechnung wohl ohne den einfallsreichen Wirt gemacht, denn der wollte das nicht einfach so hinnehmen.
Da gibt es doch bestimmt noch eine andere Möglichkeit, oder? Ja, na klar: Ein fliegender Sessel!

Wenn der leidenschaftliche Koch auf seiner „Schwebeschaukel“ durch die Küche wirbelt und leckere Gerichte zaubert, versteht man sofort, wie viel Freiheit diese Erfindung bringen kann!

Wie kam es zu der Idee von “Standing Ovation”?

Peter Lammer ist Koch und Co-Chef im „Johanneskeller“ in der Salzburger Altstadt. Bei einem Motorradunfall im Oktober 2010 zog er sich schwere Verletzungen an beiden Füßen und Beinen zu. Er musste sich zahlreichen Operationen unterziehen und lebt nun mit einer Endoprothese im Sprunggelenk, drei Metallplatten und 18 Schrauben in den Füßen.
Nach 650 Tagen Krankenstand wollte er wieder zurück in seine Küche. Doch ohne Schmerzmittel war es unmöglich, acht Stunden in der Küche zu stehen.

Umschulung
oder
Arbeitsunfähigkeit

Sein Arzt sagte ihm damals, dass er den Beruf körperlich aufgrund der Schmerzmittel nicht mehr lange ausüben kann. Dann sei sein Körper kaputt.
Peter wollte aber nicht in die Berufsunfähigkeitspension gehen und eine Umschulung kam für ihn nicht infrage.

Peter präsentiert seine Erfindung Standing Ovation
Foto: Barbara Gindl

Das Ziel?

Peter wollte den Betrieb unbedingt halten und weiterhin seinen Beruf ausüben.

Die Lösung!

Peter begab sich auf die Suche nach einer Lösung, die seinen Körper entlastet und die Schmerzen lindert. Die auf dem Markt angebotenen Arbeitsmittel waren für die Arbeit in einer engen Küche nicht geeignet.

Vorher musste ich Kollegen bitten,
mir den Topf zu
heben

Gemeinsam mit seinem Freund Bernhard Tichy begann Peter zu tüfteln. Anfangs versuchten sie mit einem Klettergurt und Schaukeln die benötigte Entlastung zu erzielen. Doch beide Ideen erwiesen sich in der Praxis als unpraktisch.
So kam den beiden Freunden die Idee, Führungsschienen an die Küchendecke zu montieren und daran einen Bügel mit Fahrradsattel anzuhängen: „Standing Ovation“ war geboren!

Mit Standing Ovation holt er sich seine Selbständigkeit in der Küche zurück!

Mit dieser Lösung kann Peter sich frei bewegen, Beine und Rumpf werden entlastet, er hat seine Hände frei und kommt aufgrund einer Gasdruckfeder auch an die untersten Lagen der Küchenzeile. Er muss nun nicht mehr seine Kollegen bitten, ihm Zutaten zu reichen oder einen Topf zu heben.

Fazit: “Lotto-Sechser”

Seit einiger Zeit nutzt Peter nun den Prototyp in seiner Küche: „Für mich ist das mein persönlicher Lotto-Sechser, weil ich wieder arbeiten kann“ so Peter. Er hat sogar die Medikamentendosis um die Hälfte reduzieren können!

Peter´s Geschichte zeigt, wie wichtig Leidenschaft im Leben sein kann, um eine Idee immer weiter zu verfolgen und nicht aufzugeben. Nicht zu vergessen sind dabei selbstverständlich die Freunde, Familie und ein Netzwerk, das dich wieder aufbaut, wenn du denkst es geht nicht mehr!

Peter sitzt auf Schwebeschaukel und kocht Foto credit Barbara Gindl
Foto @Barbara Gindl

Wie geht´s weiter?

Nicht nur in der Arbeitswelt kann die Erfindung Entlastung und neue Möglichkeiten anbieten. „Standing Ovation“ soll in Zukunft Menschen mit Behinderung auch bei der Therapie helfen und ist auch bereits als Medizinprodukt zugelassen. Dafür haben Peter und Bernhard Anfang 2017 das Unternehmen Sitworxx gegründet. Anfang März 2017 wurde das Gerät zum internationalen Patent angemeldet, in Österreich läuft das Verfahren bereits.
Wir wünschen weiterhin so viel Spaß und Leidenschaft und viel Erfolg!

Mehr Informationen hier: Sitworxx

Wenn du dich bei einem gemütlichen Abendessen von der Idee selbst überzeugen willst, dann besuch Peter doch im Johannes Keller in der Salzburger Altstadt (Johannes Keller)

Willst du mehr Informationen dazu oder mit Peter in Verbindung treten?
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